Sonderschule “Unser Haus”

Die Sonderschule “Unser Haus” wird seit Beginn des Jahres 2003 von Iwanuschka finanziell unterstützt, nachdem einige unserer Mitglieder während ihres Russland-Jahrs als Freiwillige dort gearbeitet hatten.

Gegründet wurde die Schule von einer Gruppe von Pädagogen und den Eltern einiger Kinder mit schweren körperlichen und geistigen Behinderungen aus dem Umfeld des Zentrums für Heilpädagogik. Diese Kinder hatten das Problem, dass sie im Zentrum für Heilpädagogik nur bis zu einem gewissen Alter gefördert werden konnten und danach in keiner Schule Aufnahme fanden. Die Eltern und Pädagogen setzten sich deshalb zum Ziel, die Interessen dieser als nicht lernfähig geltenden Kinder zu vertreten. Gemeinsam begannen sie, eine Schule für schwer- und mehrfachbehinderte Kinder aufzubauen.

Dieses Engagement trug Früchte und im Jahre 1997 begannen die ersten Kinder ihren Unterricht in vorerst provisorischen Räumlichkeiten. Neben ihrer Arbeit mit den Kindern traten vor allem die Pädagogen gemeinsam mit den Erzieherinnen eines integrativen Kindergartens für die offizielle Anerkennung ihrer Einrichtungen ein.

Im Laufe des Jahres 2001 hatten sie mit ihren Bemühungen endlich Erfolg und wurden als “Staatliche Schule und Kindergarten No. 1709″ bei der Stadt Moskau registriert. Damit war “Unser Haus” die erste staatliche Sonderschule für mehrfachbehinderte Kinder in ganz Russland.Mit der staatlichen Anerkennung als Sonderschule ging sowohl eine bescheidene staatliche Finanzierung einher als auch die Zuteilung eines eigenen Gebäudes im Stadtteil Jasenewo. Dank des Umzugs in das ehemalige Kindergartengebäude im Jahr 2002 konnten endlich mehr Kinder aufgenommen und angemessene Therapieräume eingerichtet werden. Mit Hilfe ausländischer Sponsoren wurden neben den Klassenräumen, dem Essraum, den Aufenthaltsräumen, dem Sportsaal und dem Musikraum auch Näh-, Holz- und Töpferwerkstätten sowie eine Kerzenzieherei und ein Seminarraum eingerichtet.

Im Schuljahr 2005/2006 hatte die Schule bereits sechs Klassen mit insgesamt 40 Schülern im Alter von 8 bis 18 Jahren, und die 45 Plätze des integrativen Kindergartens waren restlos ausgebucht. Besonders ermutigend ist dabei das inzwischen rege Interesse der Anwohner an diesem Kindergarten. Die 15 behinderten Kinder teilen sich ihren Kindergarten mit 30 gesunden Kindern.

2005/06 änderte sich nochmals der formale Status der Schule: Die Einrichtung ist inzwischen bei der Stadt Moskau nicht mehr als Sonderschule sondern als “Heilpädagogisches Zentrum” registriert, was den Pädagogen mehr Freiheiten in ihrer Arbeit gibt und es zudem erlaubt, in der Einrichtung auch mit jungen Erwachsenen zu arbeiten, die eigentlich aus dem schulpflichtigen Alter hinaus sind. Auch für diese Schüler ähnelt der Tagesablauf nach wie vor dem in einer deutschen Sonderschule: Es gibt Mal- und Zeichenstunden, Musikeinheiten, Physiotherapie und eine Art Fachunterricht. Es wird versucht, jedes Kind nach seinen Fähigkeiten bestmöglich zu fördern.

Neben den ständigen staatlichen Kontrollen ist das drängendste Problem von Jasenewo, wie die Russen die Organisation nennen, die mangelnde Finanzierung. Der russische Staat verfügt über keine angemessenen Finanzierungsrichtlinien, dieder aufwändigen Therapiearbeit gerecht werden würden. Von den 38 in Voll- und Teilzeit beschäftigten Lehrern und Therapeuten der Schule und den 20 weiteren Angestellten des integrativen Kindergartens kann nur ein kleiner Teil von den staatlichen Geldern finanziert werden. Gerade die Arbeit mit schwer- und mehrfachbehinderten Kindern ist jedoch ausgesprochen personalintensiv. Deshalb unterstützt Iwanuschka die Pädagogenassoziation der Schule jedes Jahr mit einem finanziellen Zuschuss zu den Gehältern der Mitarbeiter. Auch die Teilnahme der Schule am Sommerlager des Zentrums für Heilpädagogik hat Iwanuschka in den letzten Jahren unterstützt.

Zudem ist es uns im Jahr 2005 gelungen, gemeinsam mit den Pädagogen der Schule ein von Aktion Mensch gefördertes Projekt ins Leben zu rufen, das sich den Problemen der Eltern und Familien der Sonderschule widmet. Im Rahmen des Projektes, das Ende September 2007 ausgelaufen ist, erhielten die Familien vor allem psychologische Unterstützung und Training, damit sie lernen, sich nicht zu isolieren und ihr behindertes Kind zu verstecken, sondern dem Druck der russischen Gesellschaft Stand zu halten.

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